Psychologe klimaleugner

Und kann man Klimaleugner mit Fakten noch erreichen? Weil es nicht nur darum geht, eine Überzeugung hier oder einen Wert dort zu ändern. John Jost: Widerstand gegen Veränderungen gab es schon immer. Wenn die Klimawissenschaftler recht haben, bleibt uns aber nicht mehr viel Zeit. Im Rahmen Ihrer Arbeit haben Sie versucht zu verstehen, warum manche Menschen der Wissenschaft skeptischer gegenüberstehen, weniger Vertrauen in Akademiker haben und eher dazu neigen, sich in Informationsökosystemen mit Falschinformationen zu bewegen.

Jost: Die existenzielle Motivation bezieht sich auf den starken Wunsch nach einem subjektiven Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit und nach der Minimierung von Gefahren. Er dachte darüber nach, wie man einen Widerstand gegen die Überzeugungsarbeit böswilliger Akteure aufbauen kann. Sie sprachen über sogenannte eingefrorene Überzeugungen und beschrieben Lewins Gruppensetting als mögliche Lösung.

Etwa die Tatsache, dass nicht alle Gruppen die Dinge auf die gleiche Weise sehen oder die gleichen Ausgangspunkte haben. Jost: Menschen haben eine Reihe von psychologischen Bedürfnissen oder Motiven. Man bedroht in gewissem Sinne das gesamte soziale Umfeld. Gibt es noch andere Ansätze? So mancher las daraus. Was ist das? Was die Republikaner in den USA betrifft, so vertreten ihre Anhänger unverschämt skeptische Positionen in Klimafragen aus Loyalität zu den Republikanern, nicht aus einem tiefen Verständnis der Klimawissenschaft heraus.

Jost: Menschen halten aus verschiedenen Gründen an ihren bestehenden Meinungen fest. All diese Dinge sind psychologisch bedrohlich, vielleicht sogar lebensbedrohlich für den Einzelnen, aber die Menschen unterscheiden sich darin, inwieweit sie in der Lage sind, diese existenziellen Sorgen zu ertragen.

Wie kann ich versuchen, zu ihm durchzudringen? Wenn wir aufwachsen, sind wir in einer sozialen Gruppe, und alle unsere Freunde und Familienmitglieder und vielleicht unsere Lehrer und Leute in der Nachbarschaft denken alle auf eine bestimmte Art und Weise. In diesem Sinne glaube ich, dass individuelle Meinungen aus strukturellen Veränderungen folgen werden, sobald diese umgesetzt sind.

All das beeinflusst, ob Menschen mehr oder weniger motiviert über wissenschaftliche und politische Themen nachdenken. Er oder sie verlässt die Situation mit einem neuen Verständnis, das sozial in eine neue Gemeinschaft eingebettet ist, die dieses neue Glaubenssystem oder Verständnis unterstützt. Jost: Lewin war der Meinung, dass man nicht versuchen sollte, eine Änderung bei Einzelnen herbeizuführen, sondern die Menschen in eine soziale Gruppe zu bringen, der sie sich verbunden fühlen oder mit der sie sich identifizieren.

Manche können in CO 2 -Schleudern wie diesem Braunkohlekraftwerk nichts Schlechtes erkennen. Jost: Genau, und bis zu einem gewissen Grad wurde dies auch schon versucht, um die Konservativen für eine umweltfreundliche Politik zu gewinnen. Das hat viel mit Lewins Ideen über Gruppendiskussionen und demokratische Beratungen zu tun.

Auch wir gelangen zu diesen Überzeugungen, Annahmen und Werten, die von allen um uns herum gesellschaftlich anerkannt und unterstützt werden. Aber diesmal steht vielleicht mehr auf dem Spiel als je zuvor.

Wie sich Klimaleugner überzeugen lassen

So wie auch das Immunsystem stärker ist, nachdem es eine bestimmte Krankheit bekämpft hat. Denken Sie an die Angst vor Verbrechen, Krankheiten oder Krieg. Wie kann man also ein schwieriges Gespräch am besten führen? Menschen können mehr oder weniger geduldig sein, wenn es um den Erkenntnisprozess geht. Hier erklärt er, wie Skeptiker mitunter doch zu überzeugen sind — und warum man dazu nicht beim Einzelnen ansetzen sollte.

Wir müssen uns auf die Menschen konzentrieren, die etwas bewirken können, wie Politiker und Wirtschaftsführer. Sobald diese Politiker befürchten müssen, dass sie wegen ihrer Untätigkeit für Naturkatastrophen verantwortlich gemacht werden, werden sie anfangen, sich anders zu verhalten. Wie würden Sie sie einem Laien beschreiben?

Dahinter steht die Idee, dass Menschen durch Vorwarnung weniger anfällig für Fehlinformationen und Propaganda sind. Wir zögern, es infrage zu stellen oder zu verändern. Sie sind fester Bestandteil unserer Interaktion mit jedem, den wir jemals getroffen haben oder kennen. Es ist bekannt, dass sich Menschen durch neue Ideen, Strategien und Wege bedroht fühlen.

Wir brauchen einen Wandel auf Systemebene, und dann wird der Einzelne, zumindest mit der Zeit, die neue Realität einer grüneren Wirtschaft akzeptieren und sich damit abfinden. Freunde, Familienmitglieder und soziale Gruppen sind für jeden wichtig, aber die Menschen gehen unterschiedlich mit ihnen um.

Wir sind psychologisch sehr stark mit dem Vertrauten und Traditionellen verbunden und hängen daran. Jede Seite glaubt, ihre eigenen Fakten zu haben, und bestreitet die Beweise der anderen Seite. Einige dieser Gründe haben mit Abwehrhaltung zu tun.

Psychotherapeuten-Kammer: Klimaleugner psychisch krank? – DIE ACHSE DES GUTEN.

Was haben Sie herausgefunden? Nehmen wir an, ich habe einen Freund, der skeptisch ist oder sogar den Klimawandel komplett leugnet. Jost: Ich denke, dass es in gewisser Weise unangebracht ist, sich auf die Überzeugung von Einzelpersonen zu konzentrieren, wenn es um den Klimawandel geht. Wenn man also wie bei einer Impfung den Menschen ein paar Informationen gibt, die ihrer Meinung widersprechen, und ihnen dann die Gelegenheit gibt, ihr Glaubenssystem wieder in Gang zu setzen und auf diese Bedrohung zu reagieren und dagegen zu argumentieren, dann werden die daraus resultierenden Überzeugungen stärker sein.

Alle drei Motivationen sind miteinander verbunden. Die Situation, die wir jetzt in den USA haben, besteht darin, dass die Feindseligkeit zwischen den Gruppen von der politischen Elite und den Massenmedien sehr geschürt wurde, insbesondere von der Rechten. Die Menschen bringen gute Gründe und gute Argumente vor, erkennen echte Probleme und denken über mögliche Lösungen nach.

Und wie funktioniert Pre-Bunking? McGuire hatte die Idee, dass unser Glaubenssystem genauso trainiert werden muss wie unser Immunsystem, um wirksam zu sein. Es gibt in der Psychotherapie keine wichtigere Währung als das Vertrauensverhältnis zwischen Therapeut und Patient“. Wenn Menschen die Klimakrise leugnen, liegt die Ursache oft in ihrer Sozialisation, sagt der Sozialpsychologe John Jost.

Jost: Meine Vermutung ist, dass Politiker ihre Prioritäten ändern würden, wenn sie glaubten, dass sie wegen ihrer umweltfeindlichen Haltung Wahlen verlieren, oder wenn sie für die ständigen Umweltkrisen und -katastrophen verantwortlich gemacht werden würden. In der Sozialpsychologie wird dies als Dynamik zwischen der eigenen Gruppe und der anderen Gruppe bezeichnet.

Ich denke, dass jeder Mensch diese Motivationen bis zu einem gewissen Grad befriedigen muss. Stefan Schulreich ist Kognitionspsychologe an der Uni Hamburg. Das ist ein wenig Fachjargon, aber wir nennen sie epistemische, existentielle und relationale Motive. Jost: Er dachte, dass das Problem vielleicht darin besteht, dass es bestimmte Überzeugungen und Werte gibt, die nie ernsthaft überprüft werden.

Jost: Die Impftheorie wurde von meinem Doktorvater eingeführt, dem Sozialpsychologen William McGuire. Der in Kanada geborene Sozialpsychologe John Jost ist vor allem für seine Arbeit zur Theorie der Systemrechtfertigung bekannt. Jost: Die Strategie des Pre-Bunking ist aus McGuires Theorie entstanden. Man kann nicht versuchen, die Meinung der Leute zu ändern, indem man ihnen sagt, was sie denken sollen.

Und wenn man versucht, Überzeugungen zu ändern, ohne selbst Mitglied dieses sozialen Umfelds zu sein, wird man als besonders bedrohlich empfunden. Das gilt vor allem für Dinge, die massive Änderungen im individuellen und kollektiven Verhalten erfordern, wie etwa der Übergang zu einer grünen Wirtschaft. Er forscht und lehrt an der New York University. In einem besonders guten Gruppenumfeld gibt es rationale Überlegungen.

Anstatt sich also gegenseitig in den eigenen Überzeugungen zu bestätigen, könnten Menschen in einer solchen Umgebung tatsächlich gemeinsam ihre Überzeugungen ändern? Der deutsche Psychologe Kurt Lewin hat den Widerstand gegen Veränderungen als grundlegendes soziales Phänomen des Menschen bezeichnet. Dabei gilt es ja auch, gegen Falschinformationen vorzugehen.

Erkenntnistheoretische Motive sind im Wesentlichen das Bedürfnis, Unsicherheit zu verringern, um ein solides, vorhersehbares Verständnis der Welt zu haben und eine solide Grundlage für die eigenen Überzeugungen. Lewin vertrat die Ansicht, dass es genau das ist, was es den Menschen sehr schwer macht, sich zu ändern.

Jost: Ja, aber es gibt noch andere Aspekte, die das beeinflussen. Das hat Vor- und Nachteile. Dann sollte man ein Problem aufwerfen — zum Beispiel das Problem der fossilen Brennstoffe — und einen demokratischen Prozess in Gang setzen, in dem sie es miteinander diskutieren und ihre eigenen Lösungen finden können. Wenn man Politikern klarmachen kann, dass es in ihrem eigenen Interesse liegt, eine nachhaltige Politik zu unterstützen, dann denke ich, dass ihre Anhänger damit einverstanden sein werden.

Was wir als traditionell empfinden — Dinge, die Teil unserer Kindheit oder unseres familiären Hintergrunds sind, Teil unseres kulturellen Erbes —, hat einen ganz besonderen Status. Um zu verstehen, warum sich Menschen gegen Veränderungen sträuben, haben Sie die Theorie der Systemrechtfertigung entwickelt.

Aber der Klimawandel ist kein Schwindel, und hier sind die Gründe dafür Also die Aufmerksamkeit zum Beispiel darauf lenken, führend in grüner Energie zu sein und dadurch die Wirtschaft zu stärken. Welche Lösung hat McGuire entwickelt? Das ist für den Einzelnen eine viel tiefgreifendere Erfahrung. Warum wir davon ausgehen, dass die Dinge so sind, wie sie sein sollten.

Denken Sie an Gangs oder an die Rivalitäten unter Sportfans. Und die existenzielle und relationale Motivation? Wenn wir nicht handeln, werden die geforderten Veränderungen eines Tages noch viel radikaler und dramatischer ausfallen, und Du wirst alles aufgeben müssen, was Du bisher in Deinem bequemen Leben genossen hast Manche sagen, dass diese ständigen Hiobsbotschaften die Menschen in ihrer Angst vor der Klimaapokalypse lähmen.

Jost: Der deutsche Philosoph Jürgen Habermas schrieb über das, was er die ideale Gesprächssituation nannte: Die Situation muss gleichberechtigt, kooperativ, demokratisch, rational und beratend sein. Sie müssen das Gefühl haben, dass sie sich selbst ausdrücken, von anderen lernen und versuchen können, Probleme gemeinsam zu lösen.

Es ist auch nicht neu, dass Unternehmen in der Öffentlichkeit Zweifel an der Wissenschaft und an Dingen säen, die dem Verkauf ihrer Produkte schaden würden. Jost, sind Skepsis und Leugnung des Klimawandels ein neues Phänomen? Hier erklärt er, wie. Unsere epistemischen Stile ergeben sich zum Teil aus unserer Erziehung und Sozialisation sowie aus unserem Temperament und unserer Persönlichkeit, möglicherweise auch aus genetischen Grundlagen.

Wenn Menschen die Klimakrise leugnen, liegt die Ursache oft in ihrer Sozialisation, sagt der Sozialpsychologe John Jost. Manche Menschen wollen sich anpassen, während andere eher dazu neigen, die Grenzen zu überschreiten oder zu testen. Warum ist das so? Ursprünglich wurde die Idee entwickelt, um Soldaten zu helfen, Indoktrinations- oder Gehirnwäscheversuchen zu widerstehen, wenn sie in Kriegsgefangenschaft geraten.

Diese Art von nostalgischen Bindungen kann viel Gutes bewirken, aber daraus resultiert auch Widerstand gegen Veränderungen und eine Abneigung gegen andere Wege. Also warum haben Menschen solche Angst vor Veränderungen? Sie liefert eine Begründung dafür, warum Menschen bestehende Strukturen verteidigen und Veränderungen ablehnen.

Ist doch schön! Die dritte Gruppe von Bedürfnissen oder Motivation hat mit sozialen Beziehungen zu tun. Wenn man also jemanden umstimmen will, muss man sich überlegen, welche Dinge für ihn oder sie bedrohlich sein könnten und versuchen, diese Knöpfe im Gespräch nicht zu drücken.