Evolutionäre psychologie studie
Dazu, so die Kritiker, sollte sie sich an den vier klassischen Grundfragen des Verhaltensforschers Nikolaas Tinbergen orientieren: Ebenso wie die Frage nach dem evolutionären Anpassungswert muss auch die historisch-evolutionäre "Stammesentwicklung" Phylogenese eines Verhaltens sowie seine Entwicklung im Individuum Ontogenese und die Ursache-Wirkung-Beziehungen , also die zugrunde liegenden Mechanismen im Gehirn, geklärt werden.
Was dann noch an Aussagen über die Evolution des Verhaltens möglich ist, wäre keine eigenständige Evolutionspsychologie mehr, sondern wird einfach in die Nachbarfelder der Genetik, Psychologie und Hirnforschung integriert, meint daher Jason Antrosio. Kulturelle und individuelle Verhaltensunterschiede gehen der reinen Lehre der Evolutionspsychologie zufolge nur darauf zurück, dass diese universellen Verhaltensprogramme je nach Kontext unterschiedlich ausgeprägt sind.
Sie könnten dann nicht mehr unabhängig voneinander im freien Spiel der evolutionären Kräfte entstanden sein. Aber, wenden nun Bolhuis und Kollegen ein, sie untersuchten dabei nur kalifornische Studenten sowie Besucher von Fitnessstudios. Was soll dann die Umwelt der evolutionären Angepasstheit eigentlich gewesen sein? Geht es nach den Kritikern um Bolhuis soll eine moderne Evolutionspsychologie also die evolutionäre Entwicklung eines Verhaltensmerkmals genau so untersuchen wie die Biologie die Evolution körperlicher Merkmale.
Der Artikel enthalte daher tatsächlich "neue Chancen" — allerdings nicht für die Evolutionspsychologie, sondern für die Anthropologie. Gäbe es nämlich stattdessen generalisierte Strategien, die bei vielen Aufgaben gleichzeitig zum Zuge kommen, würden die jeweiligen Verhaltensweisen alle zusammenhängen. Seither wurde sie vor allem von Cosmides und Tooby und ihren Mitarbeitern an der University of California in Santa Barbara vorangetrieben.
Auch Ursache und Wirkung könnten schlicht und ergreifend vertauscht sein: Neigen vielleicht aggressivere Männer eher dazu, ihre Körperkraft zu trainieren? Andererseits scheinen ihm die vorgeschlagenen "Lösungen" nicht konkret genug, um den Weg zu einer zukünftigen Evolutionspsychologie zu weisen. Weniger deutlich fielen die Ergebnisse einer Studie aus Deutschland aus, wo auch die Männer emotionale Untreue stärker bekümmern bzw.
Die Erklärungen wechseln sich seit Jahrhunderten ab, vor rund zwanzig Jahren fanden Biologen eine Antwort mit dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit: Merkwürdig sind diese Verhaltensmuster nur, wenn man sie im Kontext unserer heutigen Lebenswelt betrachtet. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden.
Die Probleme werden an einem Beispiel deutlich. Doch die Evolutionspsychologie ist gerade deshalb so interessant und populär, weil sie die Steinzeit als Startpunkt voraussetzt und unser Verhalten so mit einem universellen Ansatz zu erklären versucht. Und das hätten im Fall der Evolutionspsychologie Bolhuis und Kollegen soeben erledigt.
Zwar gibt es spezialisierte Module vor allem im Bereich der Wahrnehmung, etwa für die Gesichtserkennung. Spielen andere Faktoren wie die Intelligenz dabei eine Rolle? Dem Anthropologen Jason Antrosio vom Hartwick College in Oneonta zufolge impliziert die Fähigkeit zur Nischenkonstruktion keineswegs, dass der Mensch einfach seine Jäger-Sammler-Lebensweise fortführen muss [4].
Kurz: Warum ist der Mensch nur so, wie er ist? Selbst so fundamentale Aspekte wie die visuelle Wahrnehmung, Kooperationsverhalten, Schlussfolgern, moralische Entscheidungen oder Selbstkonzepte variieren erheblich zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen [5]. Wenn aber die Grundthesen nicht mehr mit unserem heutigen Wissen im Einklang stehen, bleibt von der Evolutionspsychologie kaum etwas übrig.
Doch leider, so Bolhuis und Kollegen, "untersuchen Evolutionspsychologen selten, ob ihre Hypothesen über evolutionär entstandene psychologische Mechanismen durch das untermauert wird, was wir über die Funktion des Gehirns wissen. Hunderte oder tausende individuelle Mechanismen oder "Module" sollen dabei jeweils auf eine spezifische Aufgabe spezialisiert sein; sei dies die Partnerwahl, sei es die Erkennung von Unehrlichkeit oder die Auseinandersetzung mit dem Nachbarn.
Theoretisch könnten wir uns also einerseits ökologische Nischen konstruiert haben, die auf unser zu Urzeiten erworbenes Verhalten zugeschnitten sind.
Evolutionspsychologie (Evolutionäre Psychologie)
Wieso werden wir rot, wenn wir beim Lügen ertappt werden? Dann sagt das Ergebnis nichts über die Steinzeit, vielmehr könnte das beobachtete Verhaltensmuster individuell in der heutigen Situation erlernt sein. Hinzu kommt, dass der Konflikt zwischen der altsteinzeitlichen und der modernen Lebensweise nicht sonderlich ausgeprägt zu sein scheint, merken Bolhuis und Kollegen an.
Auch die Annahme einer massiven Modularität sei zweifelhaft, referieren die vier Kritiker. Erst diese Annahme hat es der Evolutionspsychologie überhaupt ermöglicht zu behaupten, dass Verhaltensweisen evolutionär bedingt sind. Und wenn ja, an welche? Und dass unser Gehirn und damit auch wesentliche Aspekte unseres Verhaltens einem biologischen Anpassungsprozess unterworfen waren, bezweifelt ohnehin kaum jemand.
Dieser Ansatz erscheint zunächst ganz sinnvoll, doch bei näherem Hinsehen genügt er nicht. Und selbst beim erwachsenen Menschen bleibt das Hirn noch plastisch genug, um seine Funktion in Abhängigkeit von externen Einflüssen deutlich zu verändern. In der Steinzeit, so die Hypothese, waren dies körperlich kräftige Männer sowie attraktive Frauen.
Doch kann die Evolutionspsychologie diese "theoretische Landschaft" tatsächlich genau beschreiben, ohne sie durch einen Zirkelschluss erst aus daraus zu rekonstruieren, welche evolutionären Einflüsse man im heutigen Menschen gefunden zu haben glaubt? Weshalb führen wir Krieg, obwohl uns dies mehr schadet als nutzt? Die Mitteltemperatur konnte durchaus innerhalb von Jahrzehnten um mehrere Grad ab- und zunehmen.
Spätestens bei der Kindesentwicklung spielen dann Erfahrungen und andere individuelle Faktoren eine entscheidende Rolle. Wären wir so schlecht an Nacheiszeit, Sesshaftigkeit und hohe Bevölkerungsdichte angepasst, dürfte die Weltbevölkerung in dieser Zeit kaum so stetig und vor allem so rasant angestiegen sein. Ist damit die Evolutionspsychologie ein für allemal erledigt?
Andererseits erfordert die sesshafte Lebensweise zweifellos Wahrnehmungs- und Denkleistungen, für die es in der Altsteinzeit keine Parallelen gab. Dazu gehört es etwa, Populationsmodelle aufzustellen, mit denen man die Wirkung bestimmter Umweltfaktoren auf Merkmale in der Population simulieren kann. Die evolutionäre Psychologie (auch Evolutionspsychologie) ist ein Forschungszweig, der Erleben und Verhalten des Menschen mit Erkenntnissen über die.
Er versucht, das Erleben und Verhalten des Menschen mit. Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Bisher gehen Evolutionspsychologen meist so vor, dass sie Hypothesen darüber aufstellen, welches Verhalten in einer urzeitlichen Umwelt sinnvoll gewesen sein dürfte, und bestätigen dies dann durch psychologische Tests an heutigen Menschen.
Doch um konkrete Aussagen machen zu können, muss die Evolutionspsychologie vier starke Grundthesen annehmen. Genau diese elementaren Grundthesen sind nach Meinung der vier Forscher mit den Erkenntnissen benachbarter Wissenschaftszweige nur schwer vereinbar — etwa dort, wo sie Aussagen über die Evolution des Menschen treffen, wie die Thesen eins und zwei: Sind wir überhaupt an eine spezifische Umwelt angepasst?
Zum einen zeigten Studien der Tierevolution beispielsweise, dass sich Merkmale schon in wenigen Generationen erheblich verändern können. Für Hawks ändert der Artikel wenig: Zwar sei die Evolutionspsychologie einerseits oft plausibel und ihre Grundthesen nicht so strikt zu sehen, vielen ihrer Erklärungen mangele es aber letztlich an Überzeugungskraft.
Verhalten: Licht aus für die Evolutionspsychologie: Spektrum der Wissenschaft
Letztlich, so meint Hawks, bedeuten diese Vorschläge nur wieder, dass Evolutionspsychologen Szenarien entwickeln und testen sollen, die auf einer angenommenen Umwelt der Vergangenheit beruhen; doch diesen Anspruch haben Evolutionspsychologen ohnehin bereits. Ihre Gruppen waren klein, ihr Werkzeuginventar entwickelte sich nur sehr langsam.
Ist es in anderen Kulturen vielleicht ganz anders? Viele übergreifende kognitive Funktionen wie Lernen, Gedächtnis oder die zentrale Planung und Entscheidungsfindung scheinen aber eher anhand generalisierter Mechanismen zu funktionieren, die in den verschiedensten Situationen flexibel eingesetzt werden — und gerade diese Funktionen sind es, die beim Menschen stärker ausgeprägt sind als bei anderen Tieren und unser Verhalten wesentlich bestimmen.
Zudem lebten unsere Vorfahren nicht nur in der Savanne, sondern breiteten sich in viele verschiedene Lebensräume aus. Die durch die menschliche Aktivität neu konstruierten ökologischen Nischen könnten viele Formen annehmen, und damit sei dieses Konzept weiterhin nützlich, um zu einer dynamischeren Vorstellung der Evolution beizutragen.
Gene beeinflussen eher bestimmte biochemische Pfade, die sich dann simultan auf verschiedene Gehirnregionen und Leistungen auswirken. Doch hat die Evolutionspsychologie überhaupt eine Chance, diese Anforderungen zu erfüllen? eifersüchtig machen würde. Vor etwa Jahren tauchten die ersten Menschen auf, die sich anatomisch praktisch nicht von heutigen Menschen unterschieden.
Und Untersuchungen am menschlichen Genom belegen tatsächlich erhebliche Änderungen in den letzten 50 Jahren — unter anderem in genau jenen verhaltensrelevanten Genen, die das Gehirn beeinflussen. Tatsächlich fanden Tooby und Cosmides und ihr Kollege Aaron Sell dies dann auch in einer veröffentlichten Arbeit bestätigt [6]: Kräftige Männer und attraktive Frauen wurden eher wütend, und kräftige Männer bevorzugen auch in der Politik Aggressionen.
Frauen sind evolutionär darauf programmiert fremdzugehen, sagt ein Forscher
Ihr Grundgedanke ist dabei durchaus einleuchtend: In den letzten paar tausend Jahren, so die Evolutionspsychologen, habe sich unser Leben rapide verändert — viel zu schnell, als dass die Evolution schritthalten könnte. Erst zu Beginn des Eiszeitalters, des Pleistozäns, vor 2,6 Millionen Jahren waren unsere Vorfahren menschenähnlich genug, um zur Gattung Homo gerechnet zu werden.
Und genau an dieser Stelle wird es laut den Autoren eines aktuellen Positionspapiers kritisch: Der Evolutionspsychologie sei in den vergangenen Jahren das wissenschaftliche Fundament weggebrochen, meinen Johan Bolhuis, Gillian Brown, Robert Richardson und Kevin Laland von den Universitäten Utrecht, Cincinnati und St. Andrews [3]. Aus Bohrkernen im Gletschereis oder dem Meeresboden und anderen Daten lässt sich das Klima des Pleistozäns mit seinen wiederholten und abrupten Schwankungen rekonstruieren.
Der Universalität würden interkulturelle Studien widersprechen, meinen Bolhuis und Kollegen. Dazu gibt es bereits etablierte Methoden, die gerade in den letzten Jahrzehnten in der Biologie oder der Hirnforschung fortentwickelt wurden. Zu einem einflussreichen Ansatz wurde diese so genannte Evolutionspsychologie durch das erschienene Werk "The Adapted Mind" von Jerome Barkow, Leda Cosmides und John Tooby [1, 2].
Menschen dürften eher zur Wut neigen und Aggressionen befürworten, wenn sie in einer guten "sozialen Verhandlungsposition" sind, in der sie ihre Interessen durchsetzen können. Sie fordern daher in ihrer Bestandsaufnahme, dass eine zukünftige Evolutionspsychologie viel stärker in benachbarte Disziplinen wie die Genetik und die Neurowissenschaften integriert werden muss.
Denn insgesamt stimmt Antrosio dem Blogger Razib Khan zu: Der Artikel sei das "Ende der Evolutionspsychologie". Das wundert eigentlich nicht, denn das menschliche Genom reicht überhaupt nicht aus, um jedes Detail im Gehirn und somit das Verhalten unverrückbar festzulegen. Während fast der gesamten Zeitspanne bis heute lebten die Menschen als Jäger und Sammler auf der Kulturstufe der Altsteinzeit.
In den er Jahren seien solche Annahmen recht vernünftig gewesen, räumen die vier Kritiker ein, in den letzten Jahrzehnten hätten sich unsere Kenntnisse jedoch stark erweitert. Die anderen beiden Grundthesen der Evolutionspsychologie — die Modularität des Gehirns und die Universalität menschlichen Verhaltens — betreffen den menschlichen Geist selbst. Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.
Vielen Dank! Warum finden wir den einen attraktiv, den anderen aber überhaupt nicht — gehen aber selbst dann noch fremd, wenn der Traumpartner längst an unserer Seite weilt? Zum anderen war auch die Umwelt unserer Vorfahren keineswegs so eindeutig und stabil, wie es die Evolutionspsychologie annahm. Bolhuis und Kollegen gaben ihrem Artikel den Titel "Darwin im Geist: Neue Chancen für die Evolutionspsychologie".
Oxford University Press, New York In: Behavioral and Brain Sciences 33 2—3 , S. In: Proceedings of the National Academy of Sciences 35 , —, Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können.
Diese und ähnlich aufgebaute Studien lassen zu viele Alternativmöglichkeiten offen, um als Beleg für ein mögliches Steinzeiterbe wirklich zu überzeugen, finde Bolhuis und Kollegen. Zudem muss sie dabei gezielt zwischen verschiedenen evolutionären und nicht evolutionären Erklärungen unterscheiden können. Die massiv modularen, arttypischen Verhaltensprogramme der Evolutionspsychologie sind also in der modernen Hirnforschung nicht recht erkennbar.
Der Anthropologe John Hawks von der Universität Wisconsin-Madison kann allerdings mit diesen Vorschlägen wenig anfangen [7]. So könnten sich die Kultur und die Gene also gegenseitig beeinflussen — es kommt zur "Gen-Kultur-Koevolution". Auch Bolhuis und Kollegen erkennen an, dass die heutige Evolutionspsychologie nicht mehr eine einfache Umwelt annimmt, sondern eine "weniger spezifische, theoretische Landschaft, die auf einer abstrakten Komposition aller relevanten selektiven Umwelten der Vergangenheit basiert".
Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Die evolutionäre Psychologie (auch Evolutionspsychologie) ist ein Forschungszweig der Psychologie. Vielleicht wird aber in der kalifornischen Mittelschicht Aggressivität bei attraktiven, bodygebuildeten Personen eher geduldet oder sogar als Durchsetzungsfähigkeit anerkannt?
Es wird jedoch noch komplizierter: Die Menschheit hat in den letzten Jahrtausenden nicht nur auf die Umwelt reagiert, sondern diese durch Ackerbau und wachsende Siedlungen aktiv verändert. Wie ist es also um die These der Universalität und der massiven Modularität bestellt? Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten.