Trennung vater kind 5 psychologie

Oft wünschen sich Kinder, dass die Eltern zusammenbleiben. Welche Ursachen hat es? Trennungskinder begleitet häufig die Angst, dass die neue Beziehung wieder kaputt geht. Extreme Ängste entstehen, wenn das Kind aufwacht und niemand da ist. Demnach unterscheiden sich rund 70 Prozent der älteren Trennungskinder später nicht von den anderen.

Glücklich werden nach der Trennung — ist das für Kinder überhaupt wieder möglich? Ganz einfach, sie müssen die Verantwortung übernehmen. Hören sie mich noch, oder sehen sie mich nicht mehr? Dazu kommt, dass das Wechselmodell voraussetzt, dass sich die Eltern der Kinder nach wie vor halbwegs verstehen. Claus Koch, 69, ist Gespächstherapeut und gründete vor vier Jahren das Pädagogische Institut Berlin, um etwa an Schulen traumatisierte Flüchtlingskinder zu betreuen.

Im Gegensatz zu Skandinavien ist das Residenzmodell bei uns weit verbreitet; in rund 80 bis 90 Prozent der Fälle wird es praktiziert. Beim Scheidungskind ist dies häufig der Fall, weil es mit dem Verlusterleben allein gelassen ist und es nicht geschafft hat, die Trennung der Eltern zu. Aus diesem Grund plädieren heute vor allem die Väter, aber auch Psychologen, Juristen und Sozialarbeiter für das Wechselmodell.

Und sie sollten den Kindern bedingungslose Liebe geben nach dem Motto: So wie ihr seid, seid ihr gut. Bindungsforscher Claus Koch spricht im Interview über glückliche und unglückliche Trennungskinder und über folgenschwere Fehler, die Eltern besser nicht begehen sollten. Gibt es auch Fälle, wo das Wechselmodell gar nicht funktioniert?

Viele fragen sich, ob sie es nicht hätten verhindern können. Oder sie suchen sich One-Night-Stands aus Angst, dass eine Beziehung sowieso nicht andauert. Wie kommt das? Nicht bei allen, aber bei vielen reichen sie dann bis ins Erwachsenenalter. Warum entwickeln so viele Trennungskinder Schuldgefühle, suchen die Verantwortung für den Bruch bei sich?

Statt die Kinder zu verwöhnen, sollten Eltern ihnen das Gefühl geben, dass sie selbst etwas bewirken können. Streng genommen bedeutet das, dass das Kind eine Woche lang beim Vater und eine Woche bei der Mutter ist. Wenn Eltern sich trennen, werden diese Bedürfnisse getriggert.

„Loyalitätskonflikte mit Eltern sind Gift für die Seele des Kindes“

Gerade Alleinerziehende sollten Kinder nicht zu Partnern oder Vertrauenspersonen machen. Am besten gelingt es beim Co-Parenting, wenn sich zuvor schon beide Eltern um die Erziehung gekümmert haben. Parallel dazu lehrte er an der Universität Bielefeld und veröffentliche viele wissenschaftliche Beiträge zur Bindungstheorie. Manche Trennungskinder haben auch Angst davor, später selbst keine guten Eltern zu sein.

Ein wichtiger Faktor ist, dass die Betroffenen es schaffen müssen, die Eltern- von der konfliktbesetzten Paarebene zu trennen. In Schulklassen und Kitagruppen sind heute oft die Hälfte Trennungskinder. Eltern, die sich trennen, sollten den Kindern, auch den Jugendlichen unbedingt ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.

Nachgewiesen ist, dass eine Mehrzahl der Kinder psychische Probleme entwickelt, wenn sich die Eltern vor Gericht um sie streiten. Die betroffenen Kinder fühlen sich nicht mehr als Minderheit ausgegrenzt, weil andere das gleiche Schicksal haben wie sie. Vor der Trennung haben ihnen die Eltern versichert, dass sie alles für die Kinder tun. Viele bilden auch eine sogenannte Zurückweisungssensibiltät aus; zum Beispiel haben sie Angst, im Gespräch dem Chef ihre Meinung zu sagen oder den Partner zu kritisieren, weil sie glauben, dann sofort zurückgewiesen zu werden.

Aber das machen die wenigsten Eltern. Das Wechselmodell ist in Skandinavien und einigen Staaten in den USA sehr verbreitet; rund die Hälfte der Sechs- bis Zwölfjährigen ist im Wechsel jeweils eine Woche bei der Mutter und dann beim Vater. Alle Kinder fragen sich bei einer Trennung, ob die Eltern noch da sind, wenn sie sie brauchen.

Das lässt sich nicht so einfach oder kategorisch beantworten. Und sie fragen sich, ob sie noch wertvoll sind. Dazu gibt es eine Studie aus den USA. Jüngere Kinder bis zum Alter von fünf Jahren wiederum brauchen einen sicheren Hafen, eine Basisstation, ganz einfach, weil eine Trennung ihr Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit durcheinanderbringt.

Stand: Von: Franziska Schubert. Denn dominant ist weiterhin das sogenannte Residenzmodell, bei dem der Vater nach der klassischen Regelung die Kinder jedes zweite Wochenende, einmal in der Woche und in den Ferien sieht. Kinder spüren auch, ob sie so akzeptiert werden, wie sie sich gerade fühlen — traurig oder aggressiv.

Weil Scheidungen so häufig vorkommen, haben Kinder heute im Fall von Konflikten zwischen Eltern aber wesentlich mehr Angst, dass genau das eintreten könnte. Was für existenzielle Gefühle und auch Ängste löst eine Trennung in Kindern aus? Man sollte bestimmte Rituale beibehalten, etwa dass jemand da ist, wenn das Kind nach Hause kommt, oder sich beim Abendessen erzählen, was man am Tag erlebt hat.

Knapp die Hälfte der Kinder wächst bei ihren alleinerziehenden Müttern auf; in der Schweiz und Österreich ist das ähnlich. Für die Entwicklung der Kinder ist das alles andere als gut, weil Eltern immer eine Vorbildfunktion haben. Aus diesem Gefühl heraus springen sie ins Wasser, wenn das Kind hineinfällt, oder machen sich Sorgen, wenn es nicht nach Hause kommt.

Aber das hat sich ab Mitte der Sechzigerjahre geändert, da sind die Scheidungsraten hochgegangen, sie liegen in Deutschland aktuell bei 35 Prozent. Das kann aber in jeder Familie ganz unterschiedlich sein. Gehen die Kinder aber halbtags zur Grundschule oder wird eines krank, ist es auch abhängig vom Wohlwollen des Arbeitgebers, ob man eine Woche für das Kind präsent sein kann.

Ein neuer Trend ist übrigens, dass sich Eltern trennen, wenn die Kinder volljährig sind; der Anteil unter verheirateten Paaren beträgt rund 15 Prozent. Weil der Vater bei diesem Modell nicht so präsent ist, bricht die Hälfte von ihnen nach zwei bis drei Jahren den Kontakt zum Kind völlig ab. Aus diesen und anderen Gründen lässt dann irgendwann der Wunsch nach, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen.

Besonders eine Trennung der Eltern stellt daher häufig einen Kontext dar, in dem Parentifizierungsprozesse stattfinden können. In jeder fünften Familie wächst also ein Kind mit nur einem Elternteil auf. Aus welchen Gründen ziehen sich die Väter zurück? Noch viel intensiver läuft das Ganze bei Kindern ab. Alle Kinder haben existenzielle Grundbedürfnisse nach Sicherheit und Geborgenheit, nach Resonanz, nach Anerkennung, Vertrauen und Selbstwirksamkeit.

Trennungsstudie: Wie gut ist das Wechselmodell fürs Kind? |

Und nach zwei, drei Wochen sollte das Kind, das kurzfristig wieder Nähe und Wärme braucht, auch wieder im eigenen Bett schlafen. Die US-Forscherin E. Mavis Hetherington hat nachgewiesen, dass sich bei 15 Prozent der Kinder später psychische Probleme aber eindeutig auf die Trennung zurückführen lassen. Sind Sie auch ein Befürworter des Wechselmodells? Für Sie ist es alarmierend, dass fast die Hälfte aller Scheidungskinder nach einer gewissen Zeit vaterlos aufwächst.

Er hat Philosophie und Psychologie in Heidelberg und Paris studiert und war bis Verlagsleiter für den Bereich Sachbuch beim Beltz-Verlag. Es bedarf eines guten sozialen Zusammenspiels, damit das Wechselmodell gelingt.

„Loyalitätskonflikte mit Eltern sind Gift für die Seele des Kindes“

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren sind Paare wegen der Kinder zusammengeblieben, selbst wenn die Ehe gescheitert war. Was braucht es, damit die Erziehung von Trennungskindern gelingt? Das ist ähnlich wie bei Erwachsenen, wenn etwa jemand mit dem Auto verunglückt, der ihnen sehr nahesteht. Oft fühlen sich Väter von ihrer Ex bevormundet, wann und wo und wie lange sie ihre Kinder sehen dürfen.

Denn sie können nichts dagegen unternehmen, dass die Eltern sich trennen. Das bedeutet, dass der Druck nachgelassen hat und sich Eltern viel schneller trennen, wenn Beziehungen nicht mehr funktionieren. Für Säuglinge bis zum Alter von 15 Monaten ist das Modell überhaupt nicht geeignet: Die drehen vollkommen ab, wenn sie ständig ihren Ort wechseln müssen.

Ein weiteres Symptom sind Panikattacken. Das lag daran, dass Scheidung ein Stigma war, sowohl im kirchlichen Kontext als auch bei Nachbarn, in Kitas und Schulen. Dass Liebe zu Ende geht und zur Trennung führt, können insbesondere jüngere Kinder gar nicht nachvollziehen. Wie können Eltern den Kindern helfen, mit dieser Situation umzugehen? Eine Trennung kann sich auf die Bindungssuche in späteren Beziehungen auswirken, weil man die Erfahrung gemacht hat, dass es dramatisch schiefgehen kann — mit viel Gebrüll und Geschrei.

Welche psychischen Probleme resultieren daraus auf lange Sicht? Die Kinder haben es als ganz fest verankert erlebt, dass die Eltern immer zusammen sind, beim Einschlafen oder im Urlaub. Dabei gehören Konflikte zu Beziehungen dazu, und im besten Fall lernen Kinder auch für ihre eigenen späteren Paarbeziehungen, dass man mit ihnen produktiv umgehen kann.

Mit magischem Denken versuchen sie die Trennung ungeschehen zu machen — etwa indem sie versprechen, immer brav zu sein. Die psychische. Was können Eltern in so einem Fall tun? Kommentare Teilen. Das Residenzmodell führt häufig zu einem gewissen Entfremdungseffekt zwischen Vätern und ihren Kindern. Oder der Vater wohnt weiter weg.

Es ist für sie ein normaler Vorgang; sie werden deshalb nicht mehr schief angesehen. Ich plädiere dafür, dass man in diesen Fällen das strikte Residenzmodell erweitert um ein oder zwei Wochentage, damit das Kind und der Vater den Alltag zusammen verbringen können. Es ist eine prägende Erfahrung, mit den eigenen Wünschen abgelehnt zu werden. Auf der Suche nach den Gründen landen sie oft bei sich, da sie sehr feinfühlig sind und oft auch Sätze mitbekommen haben wie: ,Wenn die Kinder nicht wären, wäre ich schon lange weg.

Was bedeutet diese Entwicklung für die Kinder? Dabei geht es keinesfalls um Schuld. Herr Koch, Sie haben berechnet, dass es in Deutschland jedes Jahr rund neue Trennungskinder gibt. Ein ganz wichtiger Punkt für Kinder ist dabei das Ohnmachtsgefühl, das sie erfahren. Besonders Jungen leiden darunter, wenn der Vater verschwindet, weil das männliche Vorbild fehlt.

Also versuchen sie eine Erklärung zu finden. Dort sind die Bedingungen dafür oft besser als bei uns, weil alle Kinder von klein auf ganztags betreut werden. Manchmal nimmt auch der Lebenspartner der Mutter eine gewisse Vaterrolle ein. Claus Koch hat vier Kinder und hat selbst eine Trennung hinter sich.